FLUTTERBAND TRIO: Das Projekt
 
 

 

Die Musik

BACH TUNES AND FREE TANGO  ist ein Konzept, das Hans-Christian Jaenicke schon lange umtreibt. Abgeschlossen ist die Beschäftigung mit diesem Thema jedoch für ihn noch lange nicht, wird es womöglich nie sein.

Wie Planeten, die sich gleichzeitig um zwei Sonnen bewegen, kreisen diese Stücke um das Bachsche Werk und um den Tango gleichermaßen. Sie kommen natürlich ins Schlingern, wenn sich die Gravitationskräfte in die ein oder andere Richtung verlagern. Das macht sie jazzig und schwer zu beschreiben. Jedes für sich ist völlig anders.
Die Motive von Bach, überwiegend aus den Sonaten und Partiten für Violine allein von 1720 entlehnt, geben den Impuls zu zeitgenössischen Tangokompositionen. Dazu kommen „Free"-Stücke, die diesem Klangkosmos ebenso angehören, sich aber nicht an feste Umlaufbahnen halten und sich völlig frei bewegen.

 

Die Baustelle

Hans-Christian Jaenicke, Cyrille Guignard und Bernd von Ostrowski: unterschiedlicher können drei Musikerpersönlichkeiten wohl kaum sein. Wer sich die Biografien der drei ansieht, kann sich schwer vorstellen, was dabei heraus kommen soll - schließlich ist Bach mit Tango auf seriöse Weise zu verbinden ohnehin schon ein ambitioniertes Projekt. Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch die Ahnung ein, dass es nur so gehen kann.

In der gefühlten Realität begegen sich hier nicht nur drei Musiker, sondern drei Generationen. Bernd von Ostrowski bringt seine immensen Erfahrungen die er als Experte der Barocken Auffürungspraxis und als Teil der Jazz-Musikgeschichte der letzten 40 Jahre gesammelt hat, mit ins Spiel. Unaufhaltsame Neugier gehört zu seinem Wesen. So begeistert er sich für die Kompositionen des jüngeren Hans-Christian Jaenicke, analysiert und durchleuchtet sie, bringt sich ein und macht sich die Werke mit großem Respekt zu eigen.

Cyrille Guignard agiert intuitiver. Seine unverzichtbare Qualität im Trio: jugendliche Unbekümmertheit. Er spürt in den Kompositionen poetische Klangflächen auf, setzt eigenwillige, explosive Akzente und sorgt  für aufregende, innovative musikalische Lösungen jenseits stilistischer Denkmuster. Wer ihn hört versteht sofort: Guignards musikalischer Instinkt funktioniert auch in diesem Neuland zuverlässig.

Jaenicke steht da irgendwo dazwischen. Die Affinität zur Barockmusik teilt er wohl mit Ostrowski, die zum Tango eher mit Guignard. Als Komponist und Performance-Künstler denkt er jedoch ganz selbstverständlich auch die aktuellen Strömungen der Neuen Musik mit.
Seine Werke entstehen am Schreibtisch. Er hat sehr konkrete Vorstellungen von seinen Kompositionen, den Bewegungen und rhetorischen Charakteren der Instrumente, vom Timing und den atmosphärischen Farben seiner Musik. Aber: Beim Erarbeiten im Trio lässt er sein Werk dann weitgehend los und setzt es der Baustellensituation des Trios aus.

Höchster Anspruch bei stilistisch sehr diffuser Ausgangslage, das sorgt für sehr viel Energie im Trio, die das Ensemble denn auch oft in überraschende Richtungen treibt.


Eine neuartige Musik entsteht - vielleicht nur so. 

 

 

 

Parallel zur Arbeit mit FLUTTERBAND TRIO entstehen im Atelier "BAUSTELLEeins" in Hamburg Überzeichnungen der Bachschen Autographe. Sie sind als Choreografien in einem synästhetischen Sinne zu lesen und gehören für Jaenicke in direkter Weise zum Projekt dazu.